Strukturvertrieb – Was ist das? – Definition, Vor- und Nachteile

Strukturvertrieb - Was ist das?

Strukturvertrieb, keine andere Vertriebsform genießt ein derart schlechtes Ansehen. Doch woran liegt das und wo liegen die Chancen für Einsteiger? Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Fakten des Strukturvertriebes, nennt Vor- und Nachteile dieser Vertriebsart und beschreibt vollkommen wertungsfrei.

Definition Strukturvertrieb

Alternativ auch Netzwerkvertrieb, Network Marketing oder Multi Level Marketing (MLM) genannt, ist eine Art des Direktvertriebes in welchem neben der reinen Kundengewinnung und dem Verkauf von Produkten, auch das Werben neuer Vertriebspartner im Fokus steht. Diese werden dann in die eigene Struktur aufgenommen und versuchen wiederum neue Vertriebsmitarbeiter zu rekrutieren.

Bekannte Strukturvertriebe sind vor allem die Deutsche Vermögensberatung, Swiss Life Select (ehemals AWD) oder auch L&R Health and Beauty Systems.

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Direktvertrieb eines der fairsten Arbeitsmodelle auf dem deutschen Markt ist. Jeder entscheidet durch seinen persönlichen Einsatz und Engagement wie viel er verdient, denn die Vergütung spiegelt ausschließlich die persönliche Leistung wider. Dies wiederum heißt auch, dass nur in den seltensten Fällen ein monatliches Fixum (Festgehalt) gezahlt wird.

Im Strukturvertrieb arbeiten zum Großteil selbständige Vertriebsmitarbeiter nach HGB 84, welche früher selbst einmal Kunden waren und von ihrem Berater für das System begeistert wurden. Hierbei ist es egal ob es sich um Strukturvertriebe der Finanzbranche oder der Kosmetikbranche handelt, das System funktioniert immer gleich.

Der Strukturvertrieb basiert auf der Annahme, dass glückliche Kunden den Berater/Verkäufer an Freunde, Bekannte und Verwandte weiterempfehlen. Leider ist der Deutsche an sich aber recht sparsam bei der Empfehlung, weshalb im Strukturvertrieb meist besonders kommunikative und selbstbewusste Persönlichkeiten erfolgreicher sind.

Der Einstieg

Meist wird man von einem Bekannten im näheren Umfeld angesprochen, ob man nicht etwas Geld dazu verdienen wolle. Alternativ dient ein Verkaufsgespräch als Einstieg, in welchem die Vorteile des Unternehmens kurz erläutert werden. Ist das Interesse geweckt, folgt die Einladung zu einer Informationsveranstaltung mit anderen Interessenten.

Bei einer solchen Informationsveranstaltung erhält man dann sämtliche Vorteile des Strukturvertriebes und die Möglichkeiten für Verdienst und Karriere präsentiert. Beispiele zeigen hierbei aber meist besonders optimistische Rechnungen, welche im Normalfall eher selten erreicht werden. Ein guter Förderer geht mit Ihnen aber einen eigenen Plan durch, in welchem der Verdienst anhand der persönlichen Möglichkeiten errechnet wird. Schon an dieser Stelle gibt es auch schon einige Unterschiede in der Durchführung. So sollte bei einer solchen Veranstaltung auch die Möglichkeit für Fragen gegeben und Details zum Arbeitsalltag umrissen werden. Ein persönliches Gespräch mit dem Leiter der Struktur, zeigt ebenfalls eine transparente und menschliche Einstellung gegenüber neuen Verkäufern/Beratern.

Nach einer solchen Kennlernveranstaltung folgt die Entscheidung für oder gegen den Einstieg ins System. Teilweise ist es auch möglich nebenberuflich zu beginnen, was auf Grund des fehlenden Fixums auch empfehlenswert ist. Auf keinen Fall sollte man sofort, geblendet von den Verdienstmöglichkeiten, einen festen Job kündigen. Der Erfolg hängt außerdem zum Großteil von der Förderung und dem Coaching der zukünftigen Kollegen ab. Es sollte also eine gewisse Sympathie vorhanden sein.

Der Verdienst

Wer als Einzelkämpfer lediglich Produkte an Kunden verkaufen möchte, für den ist der Strukturvertrieb weniger geeignet. Durch hohe Kosten für den Vertrieb, sind die Produkte in der Regel teurer und man selbst als Verkäufer an die Produkte des Unternehmens gebunden. Auch sind die zu erwirtschaftenden Provisionen meist geringer, da der Rest der Struktur ebenfalls daran partizipiert.

Für Netzwerker hingegen kann das Vergütungssystem sehr lohnend sein. Je nach Stufe, erhält der Werber eine Differenzprovision für erwirtschaftetes Geschäft seines Schützlinges. So wird eine Gesamtprovision, je nach Stufe, immer auf die vorhandenen Ebenen aufgeteilt. Sind also über einen längeren Zeitraum größere Strukturen gereift, sind die Verdienstmöglichkeiten wie auch die Aufstiegschancen sehr hoch. Auch die eigene Arbeitsleistung muss nun auch nicht mehr 100 Prozent betragen, liegt aber bei Aufbau der Struktur bei 120%.

Beispielrechnung:

Nehmen wir an, man bekommt für den Verkauf eines Produkts 1000€ Provision. Diese 1000€ entsprechen 100%. Nun befinden sich durch gutes netzwerken noch 3 weitere Personen in der Struktur, jede dieser Personen hat ein Anrecht auf 40% der Provision, da Er/Sie als Tippgeber fungiert hat. Als Werber erhält man nun die Differenz zur eigenen Provisionsstufe, also 60%. Je mehr Menschen also in der eigenen Struktur tätig sind, desto höher die mögliche Vergütung.

Wichtig: Im Normalfall haben nur die wenigsten selbst ein Anrecht auf 100% der Vergütung, da sie selbst innerhalb einer Struktur sind. So kann die eigene Provision auch nur 80% der Gesamtprovision ausmachen und man erhält durch Geschäft der eigenen Struktur lediglich 20% Differenz.

Strukturvertrieb

Nachteile im Strukturvertrieb

Auch beim Einstieg in den Strukturvertrieb handelt es sich um eine Selbständigkeit. Hiermit verbunden sind auch die Zahlung der eigenen Kranken- und Rentenversicherung. Ein Festgehalt gibt es in den meisten Fällen nicht, sodass bei Einstieg immer ein gewisser finanzieller Puffer vorhanden sein sollte, um sich komplett auf den Vertrieb konzentrieren zu können. Hat man diesen nicht, so sollte vorerst nur im Nebenerwerb begonnen werden.

Es zählt lediglich die erbrachte Leistung, auch wenn dies nicht unbedingt ein Nachteil dieser Art des Vertriebes ist. Jeder der sich also nicht eigenständig motivieren kann und nicht aktiv auf Menschen zugeht, wird am Ende des Monats kein Geld auf dem Konto haben. Aus diesem Grund entsteht auch die meist sehr hohe Fluktuation im Strukturvertrieb. Menschen beginnen mit vollkommen falschen Vorstellungen und merken nach einigen Monaten, dass für Erfolg auch harte Arbeit notwendig ist. Ein recht hoher Anteil an ehemaligen Strukturvertrieblern gerät auch auf Grund falscher Erwartungen in die Schuldenfalle, denn Selbständigkeit bleibt Selbständigkeit.

Kein Schneeballsystem

Nicht zu verwechseln ist der klassische Strukturvertrieb mit einem Schneeballsystem. Der Unterschied liegt darin, dass beim Schneeballsystem noch vor Eintritt Zahlungen zu leisten sind, um am System teilnehmen zu können. Auch werden hierbei meist keinerlei Produkte oder Dienstleistungen angeboten, oder nur solche dessen Wert in keinem Verhältnis zum Preis stehen.

Fazit

Wer sich durch hohe Eigeninitiative und Motivation auszeichnet und dazu noch sehr gut netzwerken kann, für den kann der Strukturvertrieb die passende Vertriebsart sein. Man ist selbständig, hat aber im Hintergrund ein System welches gewisse Kenntnisse vermittelt und Hilfestellungen bietet. Man sollte Menschen mögen und Spaß am Miteinander haben, denn nur so gelingt es einem, eine auf Dauer funktionierende Struktur aufzubauen.

Leider hat der Strukturvertrieb ein sehr negatives Image, da viele den Schritt in die Selbständigkeit wagen, ohne sich der Folgen und auch Pflichten bewusst zu sein. Auch ich bin damals, gerade erst volljährig, in einen Strukturvertrieb für Finanzdienstleistungen eingestiegen. Bereut habe ich es aber nie, denn sonst wäre ich wohl nicht im Vertrieb gelandet.

Copyright Hinweis: © Depositphotos.com/Jirsak

Written By
More from Julian

Versicherungsvertreter 2 – Mehmet Göker macht weiter

Mehmet Göker – der mit seiner Firma, der MEG AG, bereits Millionen...
Read More

4 Kommentare

  • Ich war bis vor 1 Jahr auch in einem Strukturvertrieb tätig. Anfangs ist man von dem Potential begeistert! Wenn jeder an einem Strang zieht, profitieren alle! Leider sieht die Realität anders aus. Es ist sehr schwer Qualifizierte Partner zu finden die nach einem Konzept arbeiten und eine klare Linie haben. Es findet keine Duplikation in der Downline statt, da viele lediglich ihre Freunde, Verwandten und Bekannten für ihr Geschäft gewinnen. Was meiner Meinung nach ein Fehler ist. Man benötigt für den Erfolg in solchen Stukturen kompetente Geschäftspartner.

  • eine frage dazu wie ist das mit den steuern wenn man etwas handelt hat man ja eine Gewerbe , ist klar und wie muss man das steuerlich sehen
    Einkommensteuererklärung !! normaler Steuerausgleich !!
    muss auch der kleine angeworbene Vertriebler der für sich und einigen verwanden etwas verkauft auch beim Finanzamt gemeldet sein

    • Hallo Frank,

      sobald du Produkte oder Dienstleistungen mit Gewinnerzielungsabsicht anbietest, handelt es sich in Deutschland um ein anmeldepflichtiges Gewerbe. Wie das in Österreich oder der Schweiz gehandhabt wird, kann ich leider nicht sagen. Grundsätzlich sollten solche steuerliche Fragen aber von jedem Steuerberater beantwortet werden.

      Gruß Julian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.